Sensation Seeking.
Und warum Safety First kein Kompromiss ist.
by Callboy Alex
Russisches Roulette — wenn dir deine Gesundheit nicht so viel wert ist wie das Erlebnis.
Warum manche Menschen bewusst sexuelle Risiken suchen — Psychologie, Borderline, das was im Internet wirklich passiert — und warum ich als Callboy dabei eine klare Grenze ziehe.
Ich habe das Interview gesehen. Ein Chefarzt einer psychiatrischen Klinik spricht offen über das was er in seiner Praxis erlebt — und was viele lieber nicht hören wollen: Es gibt Menschen die sich bewusst in Situationen begeben in denen HIV-positive Personen involviert sind. Die den Kick suchen. Die Gefahr als Teil der Erregung erleben. Das ist kein Einzelfall. Das ist Psychologie.
Ich schreibe darüber weil ich denke dass es einen Unterschied macht ob man darüber redet oder nicht. Nicht aus Verurteilung. Aus Respekt vor dem Leben — dem eigenen und dem anderer. Und weil ich als Callboy eine klare Haltung dazu habe die ich nie verhandle.
Das Bedürfnis nach
immer mehr — immer intensiver
Sensation Seeking ist kein Moraldefizit. Es ist ein psychologisches Persönlichkeitsmerkmal das der Psychologe Marvin Zuckerman in den 1970er Jahren systematisch beschrieben hat. Kurz zusammengefasst: Manche Menschen brauchen intensivere Reize um dasselbe Gefühl von Lebendigkeit zu erleben das andere mit einem normalen Alltag haben.
Das hat eine neurobiologische Grundlage. Das Belohnungssystem dieser Menschen — genauer: die Dopamin-Regulierung — arbeitet anders. Neue, intensive, riskante Erlebnisse erzeugen den Dopaminanstieg der anderen schon durch eine Tasse Kaffee entsteht. Das Gehirn wird nicht durch Normalität stimuliert. Es braucht Extreme.
Der Kick durch die
Gefahr — was Psychiater berichten
Was der Chefarzt in seinem Interview beschreibt ist psychologisch klar einzuordnen: Es gibt Menschen für die das Risiko selbst zur sexuellen Erregungskomponente wird. Nicht das Infizieren — sondern das Nicht-Wissen. Die Gefahr. Der Kontrollverlust. Das Gehirn verarbeitet Risiko und Erregung im selben Bereich — dem limbischen System. Bei stark sensation-seekenden Menschen überlappen sich diese Systeme intensiv.
Es gibt organisierte Gruppen — online, im Verborgenen — in denen sexuelle Risikosuche systematisch betrieben wird. Begriffe wie „Bug Chasing“ (das bewusste Suchen nach HIV-Infektion) und „Gift Giving“ sind dokumentierte Phänomene die in psychiatrischen Fachkreisen längst bekannt sind. Das betrifft Frauen, Männer, alle Orientierungen. Zahlen sind schwer zu erheben — weil niemand darüber spricht. Aber das Schweigen ändert nichts an der Realität.
Das klingt für die meisten Menschen unvorstellbar. Und das ist gut so — denn es ist gefährlich. Aber es zu nicht zu benennen verhindert nicht dass es passiert. Es verhindert nur dass man darüber redet. Und das Schweigen schützt niemanden.
Risikoorientierte Sexualität als
Symptom der Borderline-Störung
Der Chefarzt benennt es klar: Risikoorientierte, impulsive Sexualität ist ein mögliches, verbreitetes Symptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Das ist keine Verurteilung von Menschen mit BPS — es ist Diagnose. Und Diagnosen helfen, wenn man sie versteht.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch extremes emotionales Schwanken, intensive Beziehungsmuster, Impulsivität und ein chronisches Gefühl innerer Leere. Diese innere Leere — das Nicht-Fühlen, das Tauben — wird manchmal durch extreme Reize zu überbrücken versucht. Intensiver Sex, Risiko, Schmerz, Kontrollverlust — all das kann das tauben Nervensystem kurz zum Fühlen bringen. Das ist kein moralisches Versagen. Das ist ein Symptom das Behandlung braucht.
Risikoorientierte, impulsive Sexualität ist ein mögliches, verbreitetes Symptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Diese Menschen brauchen den Kick. Sie treffen sich für Sex und einer ist HIV-positiv oder hat eine andere Erkrankung. Das gibt ihnen den Kick.
— Chefarzt einer psychiatrischen Klinik · Interview (2024)Intensität ist real.
Das Risiko muss es nicht sein.
Ich verstehe das Bedürfnis nach intensiven Erlebnissen. Ich lebe Leidenschaft — das ist mein Beruf und meine Überzeugung. Aber es gibt eine Grenze zwischen Intensität und Selbstzerstörung. Die Grenze heißt: das eigene Leben. Und das verhandele ich nicht — für mich und für jeden Menschen dem ich begegne.
Was im Gehirn passiert —
wenn Gefahr zur Erregung wird
Um zu verstehen warum Menschen Risiken suchen die für andere unbegreiflich sind, muss man verstehen wie das Gehirn Erregung und Gefahr verarbeitet. Beide aktivieren dasselbe System: das limbische System mit Amygdala und Nucleus accumbens — das Zentrum für Emotionen, Angst und Belohnung.
Bei stark sensation-seekenden Menschen — und besonders bei BPS-Betroffenen — ist die Amygdala hyperreaktiv. Sie reagiert stärker auf alles Intensive. Und der Nucleus accumbens — das Belohnungszentrum — wird durch Dopamin stimuliert das bei Risiko ausgeschüttet wird. Das ist dieselbe neurobiologische Schiene wie bei Suchtverhalten.
Die Realität da draußen —
was man findet wenn man sucht
Man muss nicht lange suchen. Im Internet findet man Foren, Gruppen, Communities in denen genau das organisiert wird was der Chefarzt beschreibt. Gang Bangs — fünf Männer, eine Frau. Oder neun Männer, eine Frau. Oder jede andere Konstellation — in denen die HIV-Positivität einzelner Teilnehmer bekannt ist und bewusst Teil des Reizes ist. Das ist keine urbane Legende. Das ist dokumentierte Realität.
Ich erwähne das nicht um zu schockieren. Ich erwähne das weil Aufklärung das einzige wirksame Mittel ist. Wer weiß was da draußen passiert, ist besser gerüstet um eigene Entscheidungen bewusst zu treffen. Und wer bei sich selbst die Muster des Sensation Seekings erkennt, hat eine Chance sie zu verstehen — bevor sie das Leben kosten.
HIV: Weltweit leben ca. 39 Millionen Menschen mit HIV (UNAIDS 2023). In Deutschland ca. 96.000. Ohne Behandlung lebensbedrohlich — mit frühzeitiger ART-Therapie chronisch beherrschbar, aber lebenslang.
Risiko durch ungeschützten Sex: Das Transmissionsrisiko bei penetrativem ungeschütztem Analverkehr mit einer HIV-positiven Person (nicht unter Therapie) liegt bei 1,4–1,7 % pro Akt. Das klingt klein — ist aber bei mehrfacher Exposition erheblich.
Kondom: Reduziert das Übertragungsrisiko um über 99 %. Kein anderes verfügbares Mittel außerhalb medikamentöser Prävention bietet diesen Schutz.
Kein Kompromiss. Nie.
Warum ich als Callboy immer Kondom nutze
Das ist der Kern dieses Beitrags. Nicht die Psychologie, nicht die Statistiken — sondern das was ich täglich lebe und nie verhandele.
Jede Begegnung mit mir findet mit Kondom statt. Immer. Ohne Ausnahme. Ohne Aufpreis-Angebot das das ändern würde. Ohne Bitte die das ändern würde. Ohne Situation die das ändern würde.
Das ist keine Vorsicht. Das ist Respekt. Respekt vor dem Leben — meinem und dem meiner Klientinnen. Das höchste Gut eines Lebens ist die Gesundheit. Und die sollte man nicht herausfordern. Nicht für einen Moment. Nicht für einen Kick. Nicht für irgendetwas.
Kondom: Immer. Jede Begegnung. Ohne Diskussion.
Aufpreis für „ohne“: Gibt es nicht. Wird es nie geben. Das ist nicht verhandelbar.
Gesundheitscheck: Ich lasse mich regelmäßig testen. Nicht weil ich muss — weil ich Verantwortung für beide Seiten ernst nehme.
Warum: Weil das Leben — meines und das meiner Klientinnen — mehr wert ist als jeder Moment intensiverer Empfindung. Das ist meine Überzeugung. Und meine Grenze.
Ich habe dieses Interview gesehen. Ich habe genau hingehört. Und ich habe dabei an die Menschen gedacht die ich über die Jahre begleitet habe — Frauen und Männer die Intensität suchen, die Grenzen testen, die manchmal nicht wissen wohin mit dem Druck der sich aufstaut.
Ich urteile nicht. Ich verurteile nicht. Aber ich bin klar: Was ein Chefarzt der Psychiatrie beschreibt — Menschen die sich bewusst in HIV-Risikosituationen begeben für den Kick — das ist ein Hilferuf. Das ist kein freier Lebensstil. Das ist Symptomatik die Behandlung braucht.
Und mein Teil in dieser Gleichung ist simpel: Ich bin als Callboy offen für vieles. Für Intensität, für Leidenschaft, für das was Menschen brauchen die selten jemanden finden der vollständig präsent ist. Aber ich bin nicht Teil eines Risikospiels. Nie.
Du kannst alles haben.
Nur nicht das Risiko.
Leidenschaft, Intensität, echte Aufmerksamkeit — das gebe ich. Was ich nicht gebe ist Gesundheit als Verhandlungsmasse. Jede Begegnung mit mir findet mit Kondom statt. Das ist nicht Zurückhaltung — das ist Respekt. Vor dem Leben. Meinem und deinem.
Echter Kick ohne
das Leben zu riskieren
Hier ist etwas das ich aus meiner Praxis kenne: Die intensivsten Erlebnisse entstehen nicht durch Gefahr — sondern durch echte Präsenz. Durch vollständige Aufmerksamkeit. Durch das Gefühl wirklich gesehen zu werden. Durch Leidenschaft die authentisch ist und nicht performt.
Viele Menschen suchen Risiko weil sie das noch nie erlebt haben. Weil sie nicht wissen dass Intensität auch ohne Gefahr möglich ist. Weil ihr Nervensystem nie die Erfahrung gemacht hat dass sichere Verbindung intensiver sein kann als riskante. Das ist nicht ihr Versagen — das ist Lerngeschichte.
Man sollte sie nicht herausfordern —
nicht für einen Kick,
nicht für irgendetwas."
Was tun wenn man bei sich
Sensation Seeking erkennt?
Wenn du diesen Text liest und denkst: Das beschreibt mich. Ich suche Grenzen. Ich brauche immer mehr Intensität. Ich mache manchmal Dinge von denen ich danach denke: Das war zu weit — dann ist das kein Grund zur Scham. Es ist ein Grund hinzuschauen.
Schütz es. Auch wenn der Moment anders flüstert.
Besonders dann.
Was Menschen über das Thema fragen
Das Leben ist das Einzige —
das man nicht tauschen kann.
Ich habe diesen Beitrag geschrieben weil Stille dieses Thema nicht sicherer macht. Weil es Menschen gibt die das was der Chefarzt beschreibt, kennen — vielleicht sogar selbst erleben. Und weil Aufklärung keine Verurteilung ist, sondern Respekt.
Der Kick ist real. Das Bedürfnis nach Intensität ist real. Aber das Leben — das eigene, das der anderen — ist höher zu bewerten als jeder Moment intensiverer Empfindung. Das ist meine feste Überzeugung. Als Callboy. Als Mensch.
Wenn du Intensität suchst — ich kann das geben. Mit echter Präsenz, echter Leidenschaft, echter Aufmerksamkeit. Und mit Kondom. Immer.
Dein Abend.
Deine Geschichte.
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4 Kommentare:
Wie jeder Artikel super und treffend geschrieben
Die richtige Einstellung, die du hast.Der Artikel ist wie immer super toll geschrieben
Dem kann ich mich nur anschließen. Unglaublich, was manche Menschen tun. Sehr gute Einstellung, wie gewohnt.
Ein Artilel der zum nachdenken führt und auch sehr gut beschrieben ist von dir. Ein wahrer Satz kommt immer wieder vor Gesundheir sollte man so schätzen!!!!
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